Rechtsextremismus: Zunehmende Anziehungskraft auf Frauen übertrifft Männer in bestimmten Bereichen
Eine aktuelle Untersuchung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) belegt, dass rechtsextremistische Denkweisen in Deutschland zunehmend Frauen anziehen, und dies in einem stärkeren Maße als Männer.
Laut der Studie weisen gegenwärtig 6,5 Prozent der deutschen Frauen ein kohärentes rechtsextremistisches Weltbild auf, während dieser Anteil bei Männern 6,3 Prozent beträgt. Bemerkenswert ist der deutliche Anstieg unter Frauen, deren Anteil von 2,8 Prozent im Jahr 2020 auf jetzt 6,5 Prozent angewachsen ist. Im Gegensatz dazu verzeichneten Männer einen leichten Rückgang von 6,7 auf 6,3 Prozent.
Die Untersuchung beschreibt Rechtsextremismus als 'hybrid': Er verschmilzt mit Verschwörungstheorien, Wissenschaftsfeindlichkeit und Staatsablehnung und findet insbesondere über das Internet und soziale Medien Verbreitung. Die COVID-19-Pandemie hat diesen Prozess beschleunigt, wobei Frauen, die verstärkt an Protestbewegungen wie 'Querdenken' teilnahmen, besonders betroffen waren.
Während traditionell rechtsextremistische Gruppierungen überwiegend von Männern geprägt waren, eröffnen digitale Plattformen neue Eintrittsmöglichkeiten. Frauen übernehmen dabei häufig die Rolle von 'Türöffnerinnen' in ihren sozialen Umfeldern, indem sie extremistische Ansichten salonfähig machen. Sie werden von Behörden oft als weniger suspekt wahrgenommen und engagieren sich aktiv in der Anwerbung sowie der Verbreitung von Propagandamaterial, wobei sie oft eine emotionalere und weniger direkte Sprache verwenden. Auch die Attraktivität vermeintlich traditioneller Familienwerte kann Frauen ansprechen, besonders in Verbindung mit dem Empfinden, Kinder vor realen oder imaginierten Bedrohungen 'schützen' zu müssen.
Obwohl Frauen in puncto rechtsextremistischer Haltungen aufschließen, bleibt das aktive Milieu – beispielsweise bei Demonstrationen oder Parteizugehörigkeiten – weiterhin männlich dominiert, mit einem Anteil von 80 bis 90 Prozent. Dennoch unterstreicht die Studie, dass diese Diskrepanz kleiner wird. Die Hauptgefahr besteht darin, dass Frauen diese Ideologien normalisieren und in weitreichendere gesellschaftliche Kreise tragen, was deren Akzeptanz fördert.