BVB-Coach: Wer Kovac kritisiert, verkennt die eigentlichen Schwierigkeiten
Borussia Dortmund durchlebt eine tiefgreifende Krise. Eine Diskussion über den Übungsleiter Marco Rose greift zu kurz und lenkt von den wahren Herausforderungen ab. Statt über eine Trainerablösung zu sinnieren, sollten die Verantwortlichen und Beobachter des BVB ihren Blick auf die eigentlichen, strukturellen Defizite richten.
Das Kernproblem liegt nicht in der Arbeit des Trainers. Wer Marco Rose seine Eignung abspricht, verschließt die Augen vor komplexeren Sachverhalten. Die Mannschaftsleistung und die Zusammenstellung des Kaders offenbaren grundlegende Mängel, die weit über die Anweisungen eines Trainers hinausgehen.
Ein wesentlicher Punkt ist die oft zitierte „Mentalitätsfrage“. Dem Team fehlt es an einer konstanten Widerstandsfähigkeit und der Fähigkeit, auch in schwierigen Partien eine überzeugende Leistung abzurufen. Dies ist ein hausgemachtes Problem, das sich über Jahre entwickelt hat und nicht allein durch einen Trainerwechsel behoben werden kann. Es mangelt an echten Führungsfiguren auf dem Spielfeld, die in kritischen Momenten vorangehen und die Mannschaft mitreißen können. Spieler, die in der Vergangenheit als solche galten, sind entweder gegangen oder haben ihre Rolle nicht vollends ausgefüllt.
Zusätzlich dazu kommt eine unausgewogene Kaderplanung. Es scheint, als fehle es an bestimmten Spielertypen, die für eine stabile Defensive oder ein kreatives Mittelfeld unerlässlich wären. Einzelne Akteure bringen zwar hohes Potenzial mit, doch in der Gesamtkonstellation harmonieren die Teile nicht immer optimal. Die mangelnde Konstanz einzelner Leistungsträger trägt ebenso zu den aktuellen Problemen bei. Spieler, von denen Top-Leistungen erwartet werden, schwanken in ihrer Form und können die Erwartungen nicht durchgängig erfüllen.
Die Fokussierung auf den Trainer ist eine bequeme, aber irreführende Ablenkung. Sie entbindet die Verantwortlichen davon, sich mit den unbequemen Wahrheiten auseinanderzusetzen, die im Verein selbst liegen. Eine Trainerentlassung würde lediglich an der Oberfläche kratzen und die tief verwurzelten Probleme ignorieren, die den BVB seit einiger Zeit plagen. Es ist an der Zeit, eine ehrliche Bestandsaufnahme vorzunehmen und die Wurzeln der Schwierigkeiten zu erkennen, anstatt sich auf vermeintlich einfache Lösungen zu versteifen.