Die Pollenflugzeit hat dieses Jahr früh eingesetzt und erreicht bereits ihren Höhepunkt, was für Millionen von Allergikern eine enorme Belastung darstellt. Ein führender Experte im Bereich Allergologie, Professor Dr. Karl-Christian Bergmann, weist darauf hin, dass viele Faktoren dazu beitragen, die Symptome des Heuschnupfens zu verschlimmern, und erklärt, wie Betroffene Linderung finden können. **Warum die Pollenallergie immer schlimmer wird** Mehrere Ursachen tragen dazu bei, dass der Heuschnupfen in seiner Intensität zunimmt: 1. **Klimawandel:** Höhere Temperaturen führen dazu, dass die Pollensaison nicht nur früher beginnt und länger andauert, sondern auch die Pollen selbst aggressiver sind und in größerer Menge auftreten. Birken- und Haselnusspollen sind hierfür Beispiele. 2. **Luftverschmutzung und Urbanisierung:** Feinstaubpartikel, besonders Dieselruß, fungieren als "Pollen-Transporter", die Allergene tiefer in die Atemwege befördern und ihre Reizwirkung verstärken. Zudem kann der Stress des Stadtlebens das Immunsystem schwächen und die Anfälligkeit für Allergien erhöhen. 3. **Stress:** Eine hohe Stressbelastung kann das Immunsystem beeinträchtigen, wodurch der Körper anfälliger für allergische Reaktionen wird. 4. **Rauchen:** Sowohl aktives als auch passives Rauchen schädigt die Atemwege und macht sie empfänglicher für Pollen und andere Allergene. 5. **Kreuzallergien:** Oft treten neben der Pollenallergie auch Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Lebensmitteln auf, wie zum Beispiel bei Birkenpollenallergikern mit Äpfeln oder Haselnüssen. 6. **Frühe Lebensjahre:** Die sogenannte Hygienehypothese besagt, dass eine übermäßig sterile Umgebung und der frühe Einsatz von Antibiotika das Immunsystem weniger trainieren und somit die Entwicklung von Allergien begünstigen können. **Symptome und deren mögliche Entwicklung** Typische Beschwerden reichen von Fließschnupfen, verstopfter Nase, Niesanfällen, juckenden und tränenden Augen bis hin zu Müdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten. Bleibt ein Heuschnupfen unbehandelt, kann sich daraus ein sogenannter "Etagenwechsel" entwickeln, bei dem sich die Allergie von den oberen auf die unteren Atemwege ausdehnt und zu allergischem Asthma führt. **Behandlungsmöglichkeiten für Pollenallergiker** Es gibt verschiedene Ansätze zur Behandlung von Heuschnupfen: * **Kurzfristige Linderung:** Akute Symptome können mit Antihistaminika (als Tabletten, Nasensprays oder Augentropfen) oder bei stärkeren Beschwerden mit kortisonhaltigen Nasensprays effektiv gemildert werden. * **Langfristige Therapie (Ursachenbekämpfung):** Die spezifische Immuntherapie (SIT), auch bekannt als Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung, stellt die einzige Behandlung dar, die die Ursache der Allergie angeht. Über einen Zeitraum von etwa drei Jahren wird der Körper schrittweise an das Allergen gewöhnt. Diese Therapie ist hochwirksam und führt bei 80 bis 90 Prozent der Behandelten zu einer deutlichen Verbesserung oder sogar zur vollständigen Symptomfreiheit. **Praktische Tipps für Allergiker in der Pollensaison** Um die Belastung durch Pollen zu reduzieren, empfiehlt Prof. Bergmann folgende Maßnahmen: * Behalten Sie den aktuellen Pollenflugkalender im Auge. * Waschen Sie Ihre Haare vor dem Schlafengehen, um Pollen zu entfernen. * Halten Sie Fenster, besonders zu Spitzenzeiten des Pollenflugs, geschlossen. * Tragen Sie im Freien eine Sonnenbrille als Schutz für die Augen. * Vermeiden Sie intensive Sportaktivitäten im Freien, wenn die Pollenkonzentration hoch ist. * Duschen Sie regelmäßig, um Pollen von Haut und Haaren zu spülen. * Reinigen Sie die Nasenschleimhäute regelmäßig mit Salzlösungen. * Erwägen Sie den Einsatz von Luftreinigern mit HEPA-Filter in Innenräumen. * Saugen Sie häufig mit einem Staubsauger, der einen Pollenfilter besitzt. * Waschen Sie Ihre Kleidung regelmäßig, da Pollen daran haften bleiben. Es ist entscheidend, bei Verdacht auf Heuschnupfen frühzeitig einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und die beste Behandlungsstrategie, insbesondere eine mögliche spezifische Immuntherapie, zu besprechen.