Klimawandel: Süd- und Ostdeutschland erleben deutlich mehr und längere Hitzewellen
Der anhaltende Klimawandel wird in Deutschland voraussichtlich eine erhebliche Zunahme an Hitzewellen nach sich ziehen, die zudem länger andauern. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Untersuchung des Helmholtz-Zentrums Hereon, welche in der wissenschaftlichen Publikation „Scientific Reports“ erschienen ist. Insbesondere die südlichen und östlichen Regionen Deutschlands werden von diesen prognostizierten Veränderungen stark beeinflusst sein.
Für ihre Analyse setzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf hochauflösende regionale Klimamodelle, um die zukünftige Entwicklung bis zum Jahr 2100 zu simulieren. Dabei legten sie zwei unterschiedliche Klimaszenarien des Weltklimarates (IPCC) zugrunde: Einerseits das ambitionierte Szenario RCP2.6, das von umfassenden Klimaschutzmaßnahmen ausgeht, und andererseits das RCP8.5-Szenario, welches ungebremste Treibhausgasemissionen annimmt.
Die Studienergebnisse zeigen eine deutliche Besorgnis: Selbst unter der Annahme des optimistischen RCP2.6-Szenarios, das eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad Celsius bis 2100 vorsieht, ist mit einer erheblichen Zunahme von Hitzewellen zu rechnen. Im pessimistischeren RCP8.5-Szenario, welches eine Erwärmung von über vier Grad Celsius prognostiziert, fallen die Konsequenzen noch gravierender aus.
Zwischen 2001 und 2020 wurden in Deutschland im Schnitt 1,5 Hitzewellen jährlich verzeichnet. Diese dauerten durchschnittlich etwa fünf Tage und erreichten Spitzen-Tagestemperaturen von rund 32,5 Grad Celsius. Als Hitzewelle galt hierbei eine Periode von wenigstens drei aufeinanderfolgenden Tagen, an denen die Höchsttemperatur 30 Grad Celsius überschritt.
Die Voraussagen für die kommende Zeit sind allerdings alarmierend. Gemäß dem RCP8.5-Szenario könnte die Anzahl der Hitzewellen in Süd- und Ostdeutschland bis zum Ende des Jahrhunderts auf bis zu zehn pro Jahr ansteigen. Ihre Dauer würde sich demnach verdoppeln bis verdreifachen, und die maximalen Tagestemperaturen könnten bis zu fünf Grad Celsius über den heutigen Werten liegen. Auch unter dem optimistischeren RCP2.6-Szenario müssen die Bewohner dieser Landesteile mit zwei- bis dreimal mehr Hitzewellen rechnen, die ebenfalls länger anhalten und höhere Temperaturen erreichen.
Obwohl Süd- und Ostdeutschland am stärksten betroffen sein werden, wird auch in Nord- und Westdeutschland mit einer Zunahme an Hitzewellen gerechnet, wenn auch in einem weniger ausgeprägten Umfang. Die Studienergebnisse heben eindringlich die Dringlichkeit von Anpassungsstrategien hervor. Diese sind erforderlich, um die Bevölkerung vor den gesundheitlichen Auswirkungen der Hitze zu schützen und Sektoren wie die Landwirtschaft auf die sich ändernden klimatischen Gegebenheiten vorzubereiten.
„Unsere Untersuchung belegt, dass die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hitzewellen in Deutschland künftig deutlich ansteigen werden“, erklärt Dr. Diana Rechid, Mitautorin der Studie. „Die dicht besiedelten Gebiete Süd- und Ostdeutschlands sind dabei am stärksten betroffen. Es ist von größter Wichtigkeit, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um sich auf diese Veränderungen einzustellen und die negativen Folgen für Mensch und Natur so gering wie möglich zu halten.“
Diese Studie wurde im Kontext des Forschungsprojekts „REGKLAM“ realisiert und erhielt Unterstützung von verschiedenen Einrichtungen, einschließlich des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).
Um die gravierendsten Folgen der globalen Erwärmung abzuwenden, ist ein weitreichender Klimaschutz unentbehrlich. Dies beinhaltet die signifikante Verringerung von Treibhausgasemissionen und den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien. Parallel dazu müssen jedoch auch Anpassungsstrategien implementiert werden, um die Auswirkungen der bereits unvermeidbaren Erwärmung zu mindern.