Die Enthüllungen der Panama Papers haben nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes (BKA) die Dimension und Struktur der Wirtschaftskriminalität deutlicher zutage gefördert. Holger Münch, der Präsident des BKA, hob hervor, dass diese Datenleaks der investigativen Kriminalitätsforschung entscheidende Impulse verliehen hätten. Trotz des Erfolges, der durch die Kooperation zwischen Journalisten und Behörden erzielt wurde, verdeutlichten die Panama Papers auch die gravierenden Defizite in der Verfolgung komplexer Wirtschaftsstraftaten in Deutschland. Münch betonte auf einer Tagung in der Deutschen Nationalbibliothek, dass diese Art von Kriminalität für eine funktionierende Gesellschaft genauso schädlich sei wie Terrorismus oder Drogenhandel. Er forderte von der Politik eine Überarbeitung des Strafrechts, insbesondere im Hinblick auf Geldwäsche, und bemängelte die oft zu milden Strafen in Deutschland, die internationalen Standards nicht gerecht würden. Die Notwendigkeit einer umfassenden Gesetzgebung, die auch die Besteuerung von Unternehmen in Deutschland einschließt, wurde ebenfalls angesprochen, da die internationale Verflechtung von Firmen oft schwer zu durchschauen ist. Ein weiteres zentrales Thema war die personelle Ausstattung der Ermittlungsbehörden. Münch verwies auf die massiven Einsparungen im öffentlichen Dienst der letzten Jahrzehnte, die zu einem erheblichen Verlust an Fachwissen und Kapazitäten im Bereich der Wirtschaftskriminalität geführt haben. Er plädierte für eine Stärkung der Ermittlungsteams mit Spezialisten aus verschiedenen Bereichen und eine Ausweitung der digitalen Ermittlungswerkzeuge. Dabei sei der Schutz von Whistleblowern und Hinweisgebern unerlässlich, da diese oft entscheidende Informationen liefern könnten, so Münch. Es gäbe allerdings keine Pläne, eine amerikanische Belohnungspraxis für Informanten einzuführen. Der BKA-Präsident hob hervor, dass die Rolle des Journalismus in der Aufdeckung von Wirtschaftskriminalität durch die Panama Papers eine neue Dimension erreicht habe. Die gemeinsame Auswertung von Daten durch Journalisten weltweit und die anschließende Bereitstellung von Informationen für die Strafverfolgungsbehörden hätten zu einem Paradigmenwechsel geführt. Er forderte eine engere Zusammenarbeit und einen besseren Informationsaustausch zwischen Journalisten und Behörden, um der Komplexität der modernen Wirtschaftskriminalität begegnen zu können. Im Gegensatz zu den USA, wo beispielsweise die Aufsichtsbehörden deutlich umfangreichere Befugnisse haben und die Strafen für Wirtschaftsvergehen drastischer ausfallen, sieht Münch in Deutschland noch erheblichen Nachholbedarf.