Angehörige von ukrainischen Militärangehörigen, die während des Konflikts mit Separatisten im Donbass als vermisst gemeldet wurden, versammelten sich vor dem Verteidigungsministerium in Kiew, um die Klärung ihrer Fälle zu verlangen. Die protestierenden Bürger erhoben den Vorwurf, dass die Staatsorgane die Bemühungen zur Auffindung der Vermissten vernachlässigten. Eine Gruppe von etwa 50 Personen versammelte sich vor dem Ministeriumsgebäude und präsentierte Plakate mit den Konterfeis ihrer verschwundenen Familienmitglieder. „Uns hilft niemand, wir müssen uns selbst helfen“, erklärte Alla Mescheryakowa, eine der engagierten Aktivistinnen, gegenüber anwesenden Journalisten. Sie appellierte an die Regierung, effektive Maßnahmen zur Suche nach den Verschollenen einzuleiten. Die Teilnehmer der Demonstration verwiesen auf die Vorfälle von Ilowajsk im August 2014, bei denen im Zuge einer Offensive Hunderte ukrainische Soldaten eingekesselt und entweder getötet oder in Gefangenschaft genommen wurden. Ein Großteil der damals als vermisst Gemeldeten konnte bis heute nicht aufgefunden werden. Die Problematik der vermissten Soldaten stellt in der Ukraine ein hochsensibles Thema dar. Zuverlässige offizielle Statistiken sind kaum erhältlich, doch Schätzungen legen nahe, dass seit Beginn der Auseinandersetzungen im Osten des Landes mehrere Hundert bis Tausend Soldaten verschwunden sind. Menschenrechtsorganisationen kritisieren wiederholt die mangelnde Offenheit sowie die unzureichenden Anstrengungen der Behörden zur Klärung der individuellen Schicksale. Die Demonstrationen von Angehörigen verschwundener Soldaten sind keine neue Erscheinung, sondern finden in regelmäßigen Abständen statt. Sie spiegeln die tiefe Enttäuschung und das Leid vieler Familien wider, die im Ungewissen über das Wohl ihrer Lieben leben müssen. Die erhobenen Forderungen umfassen eine intensivere Fahndung, eine verbesserte Abstimmung der zuständigen Institutionen sowie eine adäquate Unterstützung für die betroffenen Familien.