Die von der Bundesregierung initiierte Absenkung der Kraftstoffsteuer, um die Preise an den Zapfsäulen zu mindern, hat ihr Ziel offenbar nur unvollständig erreicht. Ein wesentlicher Teil der beabsichtigten Entlastung kam nicht bei den Autofahrern an, primär aufgrund deutlich erhöhter Raffinerie-Margen. Zum 1. Juni trat die temporäre Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe in Kraft, die für einen Zeitraum von drei Monaten angesetzt war. Ziel dieser Maßnahme war es, den rasanten Anstieg der Spritpreise zu dämpfen. Konkret sanken die Steuern für Super E5 um 16,7 Cent pro Liter und für Diesel um 34,8 Cent pro Liter. Anfänglich zeigten sich die Preise tatsächlich stärker rückläufig als die Steuersenkung selbst, wie Analysen des ADAC belegen. Der Dieselpreis fiel am ersten Geltungstag um 42 Cent, der für Super E5 um 28 Cent. Dies resultierte daraus, dass Mineralölkonzerne die Mehrwertsteuer auf die verminderte Energiesteuer nicht weiterberechnen konnten. Doch in der Folgezeit zogen die Preise erneut kräftig an. Seit dem 1. Juni verzeichnete Diesel einen Anstieg von 24 Cent und Super E5 von 20 Cent. Dies hat zur Folge, dass von der ursprünglichen Entlastung lediglich noch 18 Cent beim Diesel und magere 8 Cent bei Super E5 verblieben sind. Der ADAC äußerte sich scharf und bezeichnete die Preisentwicklung als „unverschämt“, wobei er den Mineralölkonzernen vorwarf, die Konsumenten auszubeuten. Christian Dürr, der Fraktionsvorsitzende der FDP, widerspricht dieser Einschätzung. Er argumentiert, der Tankrabatt habe zwar keine Preissenkungen bewirkt, aber zumindest eine Stabilisierung erreicht und somit weitere Anstiege verhindert. Das Bundeskartellamt überprüft die Preisgestaltung, sieht sich jedoch mit Schwierigkeiten konfrontiert, ein Fehlverhalten der Unternehmen nachzuweisen. Ein wesentlicher preistreibender Faktor sind die deutlich gestiegenen Raffinerie-Margen in Europa. Berichten zufolge haben die Raffinerien ihre Preise erhöht, um die Produktion zu drosseln. Zusätzlich trugen die gestiegenen Rohölpreise dazu bei, dass der Tankrabatt nur eine begrenzte Wirkung entfalten konnte. Für zukünftige Krisenlagen schlägt Christian Dürr von der FDP die Entwicklung eines „Krisenmechanismus“ vor, um abrupte Preissprünge abfedern zu können. Die Befristung des Tankrabatts läuft Ende August aus. Es wird erwartet, dass die Kraftstoffpreise anschließend wieder merklich in die Höhe schnellen werden.