Musikstreaming ist heutzutage die dominierende Einnahmequelle für die Musikbranche, doch eine anhaltende Diskussion dreht sich um die unzureichende Vergütung der Künstlerinnen und Künstler. Insbesondere der Streamingdienst Spotify, der rund 36 Prozent des globalen Marktes dominiert, steht in der Kritik, da er pro Stream nur einen Bruchteil eines Cents auszahlt. Diese geringen Beträge müssen dann oft noch zwischen den verschiedenen Akteuren der Wertschöpfungskette – Labels, Verlage und Vertriebe – aufgeteilt werden, bevor sie bei den Schöpfern ankommen. Für die meisten Musiker bleibt dabei kaum etwas übrig. Der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) verzeichnete im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 2,2 Milliarden Euro, wobei Streaming 80 Prozent dieser Einnahmen ausmachte. Trotz dieser beeindruckenden Zahlen sehen sich viele Künstler und kleine Labels im Nachteil. Marc Liebscher, ein Musikmanager, kritisiert die derzeitige Verteilung als unfair und schlägt ein alternatives Modell vor: das User-Centric Payment System (UCPS), bei dem die Abonnementgebühren eines Nutzers direkt an die Künstler gehen, die dieser Nutzer tatsächlich gehört hat. Dadurch würde das Geld nicht in einem einzigen großen Topf gesammelt und nach absoluten Stream-Zahlen verteilt werden, was hauptsächlich Top-Stars zugutekommt. Unter dem gegenwärtigen Pro-Rata-System fließen die gesamten Abo-Einnahmen eines Streamingdienstes in einen Pool und werden dann basierend auf dem Anteil der jeweiligen Künstler an der Gesamtzahl aller Streams im System verteilt. Dies führt dazu, dass Künstler mit einem kleinen, aber engagierten Publikum oft leer ausgehen, während große Pop-Acts, die von vielen Nutzern gehört werden, unverhältnismäßig profitieren. Deezer und Soundcloud haben das UCPS-Modell bereits getestet und positive Ergebnisse gemeldet: Es würde mehr Künstler erreichen und die Vergütung gerechter gestalten. Die großen Musiklabels Sony, Universal und Warner sowie Branchenprimus Spotify lehnen das System jedoch weiterhin ab. Kritiker befürchten, dass das UCPS-Modell die Einnahmen der umsatzstärksten Künstler schmälern könnte. Andere, wie Professor Marc Lieser von der Hochschule für Musik und Theater München, sehen darin jedoch eine Möglichkeit, ein breiteres Spektrum an Musik zu fördern und Nischenkünstler besser zu entlohnen. Eine Studie des Projekts „Fans entscheiden“, die an der Hochschule für Musik und Theater München durchgeführt wurde, untermauert diese Einschätzung. Die Untersuchung, an der über 13.000 Musikfans teilnahmen, ergab, dass im Falle einer Umstellung auf UCPS 99 Prozent der Künstler von einer verbesserten oder gleichbleibenden Vergütung profitieren würden. Lediglich ein Prozent der Top-Künstler würde eine leichte Einbuße erfahren. Die Studie hebt hervor, dass von den insgesamt 1,7 Millionen Künstlern, die an der Studie teilnahmen, nur etwa 1.500 Künstler Verluste erleiden würden. Für die überwiegende Mehrheit der Musiker, insbesondere kleinere und mittlere Künstler, könnte dies einen bedeutenden Unterschied bedeuten. Marc Liebscher betont die Notwendigkeit politischer Maßnahmen, um die Einführung eines gerechteren Vergütungssystems voranzutreiben. Angesichts der Tatsache, dass Streaming zum wichtigsten Kanal für Musikverkäufe geworden ist, erscheint die Forderung nach einer faireren Verteilung der Erlöse immer dringlicher, um die Vielfalt und Existenzgrundlage der Musikkultur langfristig zu sichern.