Am Mittwochmorgen bewegten sich die umstrittenen Castor-Container, beladen mit hochradioaktivem Nuklearabfall aus der Wiederaufbereitungsanlage im britischen Sellafield, durch Nordrhein-Westfalen. Die Bahn mit den sechs Behältern passierte um etwa 8:45 Uhr den Bahnhof in Rheine (Kreis Steinfurt) und setzte ihre Reise in Richtung Gorleben fort. Laut Mitteilung der Polizei gab es während der Verbringung in NRW vorerst keine wesentlichen Beeinträchtigungen oder Blockadeversuche. In Niedersachsen, dem späteren Ziel des Zuges, wurden jedoch Demonstrationen erwartet. Der Bahnhof Dannenberg, an dem die Castor-Behälter auf Lastwagen umgeladen werden sollen, ist bereits seit Dienstagabend für den regulären Personenverkehr gesperrt. Atomkraftgegner hatten eine Vielzahl von Maßnahmen angekündigt, um die Verlegung zu stoppen oder zumindest zu verzögern. Zuvor hatte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) den Transport als "unsinniges Vorgehen" kritisiert, da die Behälter zunächst nach Deutschland gebracht werden, obwohl noch keine finale Lagerstätte existiert. Die gesamten elf Castor-Verladungen mit Atommüll aus Sellafield wurden im Juli vom Bundesverwaltungsgericht als unrechtmäßig eingestuft. Das Gericht hatte die Anweisung erteilt, dass die Behälter nach Sellafield zurückgebracht werden müssen. Die Bundesregierung hatte jedoch beschlossen, die Transporte dennoch auszuführen. Die gegenwärtige Verfrachtung stellt die erste von zwei Castor-Beförderungen dar, die dieses Jahr von Sellafield nach Deutschland gelangen sollen. Die zweite Verbringung ist für das Jahresende geplant. Die Castor-Behälter sind dazu bestimmt, im Zwischenlager Gorleben untergebracht zu werden, bis ein dauerhafter Endlagerstandort gefunden ist. Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll dauert in Deutschland bereits seit mehreren Jahrzehnten an.