Weltbiodiversitätsrat: Jetzt ist die Wirtschaft am Zug

Der Verlust an Natur stellt ein erhebliches ökonomisches Wagnis dar, dessen jährliche Kosten für die globale Wirtschaft auf mehrere Billionen Euro geschätzt werden – ein Ausmaß, das oft unterschätzt wird. Die Krise der Artenvielfalt besitzt eine vergleichbare Dringlichkeit wie die Klimakrise, erfährt aber weniger öffentliche Beachtung. Beide Herausforderungen sind eng miteinander verknüpft und verstärken sich gegenseitig.

Allmählich erkennen immer mehr Unternehmen die Tragweite dieses Problems. Ein Wendepunkt war die Weltnaturkonferenz COP15 in Montreal im Jahr 2022, bei der globale Ziele zum Schutz der Biodiversität beschlossen wurden. Besonders zentral ist Ziel 15, das große Konzerne und Finanzinstitute dazu verpflichtet, über ihre naturbezogenen Risiken und Auswirkungen zu berichten.

Deutschland muss diese internationalen Verpflichtungen in nationales Recht überführen, insbesondere im Bereich der Lieferkettenregulierung und der Finanzmarktaufsicht. Bislang zögert die Bundesregierung jedoch, was möglicherweise auf Widerstand konservativer Kreise zurückzuführen ist, die Bedenken hinsichtlich bürokratischen Mehraufwands und Wettbewerbsnachteilen äußern.

Diese Zurückhaltung ist unbegründet, denn das Ignorieren des Naturverlusts erweist sich als wirtschaftlich unvernünftig. Investitionen in den Umweltschutz versprechen hohe Renditen, und die Umstellung auf naturpositive Geschäftsmodelle eröffnet neue Märkte und schafft Arbeitsplätze. Klare Regulierungen bieten zudem Rechtssicherheit und gewährleisten gleiche Wettbewerbsbedingungen, was für Unternehmen eine planbare Grundlage schafft.

Deutschland riskiert, den Anschluss zu verlieren, wenn es nicht handelt, während andere Länder wie die EU, Kanada und Großbritannien bereits ähnliche Regulierungen (etwa durch die TNFD) vorantreiben.

Die Bundesregierung ist daher aufgefordert, entschlossen zu handeln. Zögerliches Verhalten kostet nicht nur viel Geld, sondern gefährdet auch langfristig den Wohlstand Deutschlands. Die Wirtschaft ist bereit; nun muss die Politik den nötigen Rahmen schaffen.

Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/rettung-der-biodiversitaet-jetzt-ist-die-wirtschaft-am-zug-110834398.html

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