Hinweise des Tages

Sehr geehrte Redaktion der NachDenkSeiten,
mein Weg zu Ihrer Plattform führte mich über den Beitrag „Der Mensch ist vom Grunde seiner Seele her gut“. Diesem Standpunkt möchte ich vehement entgegentreten. Meiner Überzeugung nach ist der Mensch in seinem Kern schlecht und wird lediglich durch äußere Einflüsse sowie strenge Vorschriften davon abgehalten, dieses Schlechte auszuleben.

Mir ist bewusst, dass diese Perspektive unbequem ist und auch einen gewissen Grad an Desillusionierung mit sich bringt. Dennoch stellt sie, historisch betrachtet, die treibende Kraft hinter der Entwicklung der Menschheit und ihrer Gemeinschaften dar. Ein Blick auf die letzten zehntausend Jahre der Geschichte genügt, um festzustellen, dass Eifersucht, Selbstsucht und das Streben nach Herrschaft die Menschen stets dazu veranlassten, andere auszubeuten, zu versklaven oder ihnen ihren Besitz zu entreißen.

Ich verzichte hier bewusst darauf, die zahlreichen Kriege und Genozide oder allein die letzten zwei Jahrhunderte mit ihrem Kolonialismus und den Millionen von Todesopfern durch Konflikte oder Ausbeutung detailliert aufzuführen. Es ist jedoch eine unbestreitbare Tatsache, dass die menschliche Natur den Einzelnen wiederholt dazu verleitet, das eigene Wohlergehen über das anderer zu setzen, und dies mit allen erdenklichen Mitteln. Lediglich die Aussicht auf negative Konsequenzen vermag diesen Trieb zu zügeln.

Gerade die aktuellen Geschehnisse verdeutlichen, dass eine Gesellschaft nur dann funktioniert, wenn Regeln konsequent angewendet werden. Meine tiefste Überzeugung ist, dass der Mensch nicht aus eigenem Antrieb bereit ist, sich zum Wohl der Allgemeinheit zu verhalten, sondern stets nur aus Furcht vor persönlichen Nachteilen. Dies gilt gleichermaßen für die simple Einhaltung von Verkehrsregeln wie auch für die Beachtung von Vorschriften, die das gemeinsame Zusammenleben gestalten. Lediglich die Angst vor dem Entzug des Führerscheins oder einer Sanktion motiviert zur Befolgung dieser Bestimmungen.

Man mag zweifellos immer wieder die positiven Aspekte der Menschheit und die sogenannte Nächstenliebe hervorheben. Doch im Grunde dient auch die Nächstenliebe lediglich einem bestimmten Zweck. Entweder erwarte ich eine Gegenleistung, eine Art Karma, oder ich möchte eine soziale Isolation vermeiden, falls ich mich den ungeschriebenen Normen der Gesellschaft widersetze. Oder es geht darum, von der Gemeinschaft für mein korrektes Verhalten belohnt zu werden, sofern ich mich gemäß den gesellschaftlichen Vorstellungen verhalte.

Besonders im politischen Bereich offenbart sich die These vom schlecht veranlagten Menschen in aller Deutlichkeit. Politik ist die Fähigkeit, die Eigeninteressen von Einzelpersonen oder Gruppen zu befriedigen, ohne dabei explizit die Interessen anderer zu verletzen. Die Geschichte beweist jedoch wiederholt, dass diese Fassade der Moral und des vermeintlichen Miteinanders umgehend fallen gelassen wird, sobald sich eine Chance bietet, eigene Interessen rücksichtslos durchzusetzen. In diesem Szenario gibt es ausschließlich Verlierer, es sei denn, ein starker Staat mit einem robusten Rechtssystem verhindert, dass diese Machtgier die Schwächsten ausbeutet.

Leider können wir nicht darauf vertrauen, dass der Mensch von Natur aus gut ist und stets das Wohl der Allgemeinheit anstrebt. Denn dies würde voraussetzen, dass die Bevölkerung immer die geeignetsten Kandidaten wählt und stets nur die fähigsten Persönlichkeiten das Land führen – und nicht jene, die ihre Machtposition dazu nutzen, die eigenen Interessen und die ihrer Wählerschaft zu befriedigen.

Mir ist bewusst, dass meine Ansicht unangenehm erscheint und eine gewisse Desillusionierung bewirkt. Dennoch müssen wir als Gesellschaft akzeptieren, dass der Mensch egoistisch ist und das Streben nach Macht in sich trägt. Nur wenn wir diese grundlegende menschliche Eigenschaft als Gesellschaft anerkennen, können wir ein System etablieren, das diese Machtgier und den menschlichen Egoismus zu einem Instrument für das Gemeinwohl umfunktioniert – und dies ausschließlich durch strenge Regeln und umfassende Kontrollen.

Ich möchte abschließend betonen, dass ich kein Menschenhasser bin und an die positive Seite des Menschen glaube. Doch dieses Gute im Menschen kann nur durch Vorschriften, die konsequente Beachtung von Gesetzen und die Furcht vor den Konsequenzen bei Regelverstößen realisiert werden. Erst dann ist der Mensch bereit, das Gemeinwohl über seine eigenen Interessen zu stellen.

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