Ein „Made in EU“-Mantra?: „Damit schaufeln wir unser eigenes Grab“
Die Europäische Union plant die Einführung eines „Made in EU“-Gütesiegels, um der Verlagerung von Arbeitsplätzen entgegenzuwirken und Konsumenten umfassender zu informieren. Die Europäische Kommission betont, dass dieses Vorhaben nicht als protektionistische Maßnahme gedacht ist, sondern vielmehr dazu dienen soll, Transparenz zu schaffen und Produkte, die innerhalb der Union hergestellt wurden, besonders hervorzuheben. Ziel ist es, europäischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
Diese Initiative ist vor dem Hintergrund der Finanzkrise zu sehen, während der die Kommission die fundamentale Bedeutung der Industrieproduktion wieder erkannte. Für zahlreiche Mitgliedstaaten ist die Industrie von entscheidender Bedeutung, da sie hochqualifizierte Arbeitsplätze schafft und Innovationen vorantreibt. Die Kommission strebt an, den Anteil der Industrieproduktion am Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis zum Jahr 2020 von aktuell 16 auf 20 Prozent zu erhöhen.
Die Überlegung, ein „Made in EU“-Kennzeichen einzuführen, ist nicht neu. Bereits in der Vergangenheit hatten einige Mitgliedstaaten nationale Ursprungskennzeichnungen gefordert. Diese Vorschläge scheiterten jedoch am Widerstand anderer Länder sowie der Kommission, die darin Nachteile für exportorientierte Volkswirtschaften sah. Das geplante „Made in EU“-Siegel soll diesen Konflikt nun umgehen.
Das vorgesehene Siegel soll nicht zwingend vorgeschrieben werden, sondern als freiwilliges Marketinginstrument dienen. Unternehmen hätten die Möglichkeit, es zu nutzen, um die europäische Herkunft ihrer Erzeugnisse hervorzuheben. Die entsprechende Verordnung bedarf noch der Zustimmung des Europäischen Parlaments und der Mitgliedstaaten.
Die genauen Kriterien für die Vergabe des Siegels sind bislang noch nicht definiert. Es stellt sich die Frage, wie die Herkunft bei Produkten mit komplexen, globalen Lieferketten bestimmt werden soll – beispielsweise bei einem iPhone, das in China montiert, aber von einem US-amerikanischen Unternehmen entwickelt wird. Auch die Abgrenzung zu bestehenden nationalen Kennzeichnungen wie „Made in Germany“ ist noch offen. Für die EU könnte ein „Made in EU“-Siegel jedoch einen wichtigen Schritt zur Stärkung der europäischen Identität darstellen.



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