Das SEZ und der ignorante Senat: Guter Bau, brauchbare Architektur

Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Berlin-Friedrichshain, ein zwischen 1979 und 1981 nach Entwürfen von Architekt Günter Stahn errichtetes Gebäude, zählt zu den bedeutsamen Werken der DDR-Moderne. Trotz seiner Anerkennung als Denkmal ist seine Zukunft aufgrund anhaltender Streitigkeiten und der Untätigkeit des Berliner Senats ungewiss.

Das SEZ, von Stahn als „Synthese aus Licht und Raum“ beschrieben, bot seinerzeit ein zukunftsweisendes Konzept mit Wellenbecken, Kegelbahnen, einer Eislaufbahn und mehreren Sporthallen – ein umfassendes Angebot für Sport, Freizeit und Erholung. Die Bauweise war innovativ: Ein Stahlskelett mit Fertigbauteilen ermöglichte eine flexible und lichtdurchflutete Gestaltung der Halle, die fast 30 Meter hoch ist und eine freie Spannweite von 42 Metern aufweist. Die Architektur zeichnete sich durch hochwertige, langlebige Materialien wie Edelstahl, Fliesen und Naturstein aus. Es repräsentiert eine eigenständige, frühe Postmoderne der DDR, die sich von den gängigen Plattenbauten abhob. Architekt Stahn hatte neue Bauverfahren mitentwickelt, die für hohe Qualität und schnelle Bauzeiten sorgten. Seit 2007 ist das Gebäude als Denkmal geschützt.

Im Jahr 2003 erwarb der Investor Christian Pepper mit seiner SEZ Grundbesitz GmbH das Areal. Die Bedingung war die Fortführung der öffentlichen Sportnutzung. Doch bereits 2011 ließ der Investor das Wellenbecken, die Bowlingbahnen und die Eishalle abreißen, angeblich wegen mangelnder Reparierbarkeit. Ein Gericht verurteilte ihn daraufhin zur Wiederherstellung oder einer Entschädigungszahlung, wogegen Pepper bis zum Bundesgerichtshof klagte, jedoch erfolglos. Die Wiederherstellung erfolgte nicht. Stattdessen legte er Pläne für Luxuswohnungen vor, die mit dem Denkmalschutz und dem ursprünglichen Nutzungskonzept unvereinbar sind.

Der aktuelle Senat aus CDU und SPD scheint diese Pläne zu bevorzugen. Er ignoriert die Vorgaben des Denkmalschutzes und die Verpflichtungen aus dem Kaufvertrag von 2003. Die Immobilie, einst ein Vorzeigeprojekt für gesunde Lebensweise, verfällt zunehmend, da der Investor das Gebäude nicht instand hält. Dieses Vorgehen wird als eine Missachtung des Architekturdenkmals und der Stadtgesellschaft kritisiert. Die Haltung des Senats, insbesondere bei einer nichtöffentlichen Ausschusssitzung, wurde als ignorant und intransparent bezeichnet, wobei private Interessen über das öffentliche Wohl gestellt werden. Die Stadtentwicklungsverwaltung scheint dem Investor entgegenzukommen, anstatt sich für den Erhalt des Denkmals einzusetzen.

Der Fall des SEZ ist kein Einzelfall in Berlin, wo der Umgang mit bedeutenden Nachkriegsbauten wie dem ICC, dem Mäusebunker oder dem Haus der Statistik oft problematisch ist. Es scheint, als verwalte die Stadt ein Erbe, das ihr fremd ist. Der „Dialog“ des Senats mit dem Investor wird als Farce empfunden, die lediglich dazu dient, die Zerstörung oder Zweckentfremdung des SEZ zu legitimieren.

Das SEZ ist ein „guter Bau“, eine „brauchbare Architektur“. Seine Umwandlung in exklusive Wohnungen oder sein weiterer Verfall wäre ein irreversibler Verlust für Berlin. Der Senat versagt hier in seiner Verantwortung für das kulturelle Erbe der Stadt.

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/das-sez-und-der-ignorante-senat-guter-bau-brauchbare-architektur-15281762.html

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