Deutscher Markt wird wichtiger: Mittelstand orientiert sich wegen US-Zöllen um
Deutsche kleine und mittlere Unternehmen (KMU) distanzieren sich zunehmend vom amerikanischen Markt. Als Hauptgründe hierfür werden geplante neue Einfuhrzölle, bekannt als „Trump-Zölle“, sowie eine allgemein gestiegene Unsicherheit in der Handelspolitik der Vereinigten Staaten genannt, wie eine Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) offenbart hat. Zahlreiche Firmen beabsichtigen demnach, ihr Engagement in den USA zu verringern.
DIHK-Präsident Peter Adrian äußerte sich dazu: „Die USA verlieren in den Augen deutscher Unternehmen deutlich an Attraktivität als Motor für das Auslandsgeschäft.“ Lediglich 21 Prozent der befragten Betriebe sehen die US-Wirtschaft noch als Wachstumstreiber für ihre internationalen Aktivitäten; Anfang 2023 lag dieser Wert noch bei 35 Prozent. Ein beachtlicher Teil der Unternehmen – nämlich 26 Prozent – erwartet sogar einen Rückgang ihrer Geschäfte mit den Vereinigten Staaten. Überdies erwägen 40 Prozent der Firmen eine Diversifizierung ihrer geschäftlichen Tätigkeiten, um die Abhängigkeit von den USA zu reduzieren.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Messewesen wider. Die Zahl deutscher Aussteller auf US-Messen sinkt seit mehreren Jahren kontinuierlich. Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des Ausstellungs- und Messe-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (AUMA), berichtete dem „Handelsblatt“, dass sich 2023 noch 4.300 Aussteller aus Deutschland in den USA präsentierten, wohingegen es vor einem Jahrzehnt noch über 6.000 waren. Für das Jahr 2024 ist keine Umkehr dieses Trends absehbar.
Die Zurückhaltung der Mittelständler ist primär auf die Befürchtung neuer US-Zölle zurückzuführen. „Die möglichen Trump-Zölle wirken wie eine kalte Dusche auf die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen“, erklärte Adrian. Sollten die USA ihre angedrohten Zölle tatsächlich umsetzen, drohe „ein Handelskrieg, der auf Kosten von Unternehmen und Verbrauchern ginge“, warnte er.
Zusätzliche Zölle würden die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte auf dem US-Markt drastisch mindern. Der DIHK befürchtet zudem, dass die EU mit Gegenzöllen reagieren könnte, was die Situation weiter verschärfen würde. Holtmeier bekräftigte diese Sichtweise: „Niemand braucht Zölle.“ Diese erschwerten den Handel unnötig und schränkten die Möglichkeiten der Unternehmen ein, international erfolgreich zu sein.
Adrian betonte, dass der Mittelstand nun alternative Märkte ins Auge fasst: „Für die deutschen Unternehmen rücken nun Regionen wie Südostasien, Indien und Südamerika stärker in den Fokus.“ Auch Teile Afrikas gewännen an Bedeutung. „Um die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu verringern und neue Wachstumschancen zu eröffnen, brauchen wir schnellstmöglich weitere Freihandelsabkommen mit diesen Regionen“, forderte der DIHK-Präsident.
Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Mittelstand-orientiert-sich-wegen-US-Zoellen-um-id30342012.html



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