„US-Garantien für Deutschland sind ein Bluff“ – Dmitri Trenin im Exklusivinterview über die neue nukleare Ära

Der Abzug der Vereinigten Staaten aus Afghanistan markiert das Ende einer zwei Jahrzehnte umfassenden militärischen Operation. Diese begann infolge der Terroranschläge vom 11. September 2001, mit den erklärten Absichten, Al-Qaida zu eliminieren, Osama bin Laden festzusetzen und später eine demokratische Regierungsform zu etablieren.

**Der Anfang und der immense Aufwand**

Anfänglich schien der Militäreinsatz erfolgreich, als die Taliban rasch entmachtet wurden. Doch was als schnelle Mission gedacht war, entwickelte sich zu einem langwierigen und kräftezehrenden Krieg. Über 2,26 Billionen US-Dollar wurden in diesen Konflikt investiert. Die Opferzahlen sind erschütternd: 2.461 US-Soldaten verloren ihr Leben, über 1.144 alliierte Soldaten fielen, mehr als 47.000 afghanische Zivilisten und über 69.000 afghanische Soldaten und Polizisten starben.

**Unerreichte Ziele und Versagen**

Trotz des immensen Einsatzes wurden die gesteckten Ziele nicht erreicht:
* Al-Qaida wurde zwar geschwächt, existiert aber weiterhin als globale Bedrohung.
* Osama bin Laden wurde 2011 in Pakistan getötet, nicht in Afghanistan.
* Der Versuch, eine stabile Demokratie zu errichten, scheiterte kläglich.
* Korruption grassierte im gesamten Staatsapparat.
* Die afghanische Armee, über Jahre von den USA trainiert und ausgerüstet, brach nach dem amerikanischen Abzug innerhalb kürzester Zeit zusammen.
* Die Taliban übernahmen im Eiltempo die Kontrolle über das Land.

**Gründe für das Scheitern**

Die Gründe für dieses desaströse Versagen sind vielfältig:
* Es fehlte eine klare und realistische Strategie.
* Die kulturellen und gesellschaftlichen Besonderheiten Afghanistans wurden nicht ausreichend berücksichtigt oder verstanden.
* Man setzte zu stark auf militärische Lösungen statt auf politische und diplomatische Wege.
* Die Abhängigkeit von einer unbeliebten und korrupten Zentralregierung in Kabul erwies sich als fatal.
* Die Widerstandsfähigkeit und der lokale Rückhalt der Taliban wurden massiv unterschätzt.

**Historische Parallelen und globale Auswirkungen**

Afghanistan hat eine lange Geschichte des Widerstands gegen ausländische Mächte, sei es das Britische Empire oder die Sowjetunion. Der Rückzug der USA reiht sich in diese Tradition ein. Das Versagen in Afghanistan hat weitreichende Konsequenzen: Es stellt die Glaubwürdigkeit und den Einfluss der USA infrage, birgt das Risiko neuer terroristischer Bedrohungen und verschärft eine bereits bestehende humanitäre Krise.

**Die zentrale Lektion**

Die wichtigste Erkenntnis aus dem afghanischen Desaster ist, dass militärische Interventionen allein nicht ausreichen, um komplexe gesellschaftliche Probleme zu lösen oder eine Nation aufzubauen. Ohne ein tiefgreifendes Verständnis der lokalen Verhältnisse, politische Strategie und die Unterstützung der Bevölkerung sind selbst die mächtigsten Armeen zum Scheitern verurteilt.

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