Renk-Chef Sagel: „Russland wird nicht warten, bis wir aufgerüstet sind“
**Russland wartet nicht: Renk-Chef Sagel fordert zügige Aufrüstung Europas**
Der Vorstandsvorsitzende des Rüstungstechnikherstellers Renk, Susanne Sagel, warnt angesichts des Ukraine-Krieges eindringlich vor einer drohenden militärischen Konfrontation mit Russland. Sie betont, dass Russland nicht darauf warten werde, bis Europa seine Verteidigungsfähigkeit vollständig ausgebaut hat. Angesichts der massiven russischen Rüstungsproduktion, die sich auf ein Niveau wie zu Sowjetzeiten bewege, müsse Europa dringend handeln.
Sagel sieht die europäische Industrie zwar grundsätzlich in der Lage, die notwendigen Mengen an Rüstungsgütern zu produzieren. Allerdings fehle es an Planungssicherheit und einer klaren Perspektive, was die Nachfrage nach Rüstungsprodukten betrifft. Unternehmen wie Renk benötigen stabile, langfristige Bestellungen, um ihre Produktionskapazitäten hochzufahren. Die Umstellung von einer Friedenswirtschaft auf eine Kriegswirtschaft sei ein tiefgreifender Prozess, der sich nicht von heute auf morgen vollziehen lasse.
Als Hersteller von Getrieben für Panzer und Haubitzen ist Renk direkt von dieser Entwicklung betroffen. Sagel hebt hervor, dass ihre Produkte in fast allen westlichen Kampffahrzeugen verbaut sind, was die zentrale Rolle des Unternehmens verdeutlicht. Die Fertigung solcher hochkomplexen Komponenten erfordert lange Vorlaufzeiten und spezialisiertes Personal, das derzeit nicht in ausreichender Zahl vorhanden ist. Die europäische Politik stehe vor der Herausforderung, nicht nur finanzielle Mittel bereitzustellen, sondern auch die Rahmenbedingungen für eine schnelle Produktionssteigerung zu schaffen.
Die sogenannte „Zeitenwende“, die Bundeskanzler Olaf Scholz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ausrief, sei bisher vorwiegend eine finanzielle Zusage. Industrietaktisch und -strategisch fehle es jedoch noch an konkreten Maßnahmen. Sagel appelliert an die Politik, die Industrie stärker in die strategische Planung einzubeziehen, um die notwendige Koordination und Effizienz zu gewährleisten. Es gehe darum, eine langfristige Vision zu entwickeln, die über kurzfristige politische Zyklen hinausgeht.
Sagel äußert Besorgnis über die mangelnde Kenntnis der realen Bedrohungslage. Die russische Kriegswirtschaft laufe auf Hochtouren, und das Land habe bereits begonnen, seine Armee für einen potenziellen langfristigen Konflikt auszurüsten. Für Sagel ist klar, dass Russland ein militärisches Machtvakuum in Europa ausnutzen würde. Eine gemeinsame europäische Rüstungsstrategie sei daher unerlässlich, um die Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigungsfähigkeit des Kontinents zu stärken. Die Fragmentierung der europäischen Rüstungsindustrie und die unterschiedlichen nationalen Interessen stellten dabei erhebliche Hürden dar, die es zu überwinden gelte.
Sie fordert eine Beschleunigung der Beschaffungsprozesse und eine engere Zusammenarbeit zwischen den europäischen Staaten, um Synergien zu nutzen und die Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern zu verringern. Die Zeit drängt, und Europa muss sich der Realität stellen, dass Russland seine militärischen Kapazitäten unaufhörlich ausbaut und nicht auf europäische Vorbereitungen warten wird.



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