(g+) Dev-Teams: Kleiner, flacher, produktiver?
**Entwicklerteams: Effizienter durch Verkleinerung und flachere Strukturen**
In zahlreichen Unternehmen wird die Softwareentwicklung oft in großen, hierarchisch aufgebauten Teams organisiert. Doch dies erweist sich laut dem Software-Architekten Stefan Zörner, der auf den Developer Days referierte, als kontraproduktiv. Er plädiert dafür, dass kleinere Teams eine höhere Leistungsfähigkeit besitzen.
**Nachteile großer Entwicklungsteams**
Das bekannte Sprichwort „Viele Köche verderben den Brei“ lässt sich auch auf große Entwicklungsgruppen übertragen. Ein bloßes Aufstocken der Mitarbeiterzahl führt keineswegs automatisch zu einer Steigerung der Produktivität. Im Gegenteil, mit zunehmender Teamgröße wächst der Kommunikationsaufwand exponentiell an. Dies äußert sich in einer Zunahme von Besprechungen, ausgedehnten Diskussionen und einer erschwerten Konsensfindung. Die Entscheidungsfindung verlangsamt sich erheblich, und es entstehen Wissenssilos, da Informationen nicht mehr reibungslos fließen. Zudem fühlen sich einzelne Teammitglieder in großen Verbänden oft weniger persönlich verantwortlich. Das Ergebnis sind zusätzliche bürokratische Hürden und komplexe Prozesse. Zörner nannte explizit ein Team von zwölf Personen als zu groß und verwies auf sechs bis acht Mitglieder als eine optimale Größe.
**Die Vorteile kleinerer, autonomer Teams**
Die ideale Teamgröße liegt nach Zörners Auffassung bei sechs bis acht, maximal zehn Personen. Solche Teams sollten durch flache Hierarchien und ein hohes Maß an Selbstorganisation gekennzeichnet sein. Dies fördert eine direkte und effiziente Kommunikation mit minimalem Overhead. Jedes Mitglied fühlt sich stärker in die Pflicht genommen, was die Verantwortlichkeit erhöht. Entscheidungen können schneller und agiler getroffen werden. Der Wissensaustausch gestaltet sich einfacher und die Bildung von isolierten Informationsbereichen wird vermieden. Autonomie und die Möglichkeit, sichtbare Beiträge zu leisten, steigern die Motivation der Mitarbeiter, was letztlich zu einer höheren Gesamtproduktivität führt. Zörner zieht den Vergleich zu einer Fußballmannschaft, die mit klaren Rollen, geringer Größe und hoher Selbstorganisation agiert.
**Transformation und Implementierung**
Wenn ein Entwicklungsteam die Schwelle von acht bis zehn Mitgliedern überschreitet, empfiehlt Zörner eine Aufteilung in zwei oder mehrere kleinere, autonome Einheiten. Jede dieser neuen Untergruppen muss einen klar definierten Aufgabenbereich und eine spezifische Verantwortung erhalten. Es ist entscheidend, diesen Teams die notwendige Autonomie zur Entscheidungsfindung innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs zu gewähren. Für die Interaktion zwischen den einzelnen Teams sollten klare Schnittstellen und Kommunikationsprotokolle etabliert werden, beispielsweise über APIs oder regelmäßige Synchronisationen. Die Rolle der Führungskräfte wandelt sich hierbei von Mikro-Managern zu Moderatoren und Coaches, deren Aufgabe es ist, Hindernisse zu beseitigen und die Teams zu unterstützen. Diese Neuausrichtung erfordert einen grundlegenden kulturellen Wandel, insbesondere seitens des Managements, das verstärkt auf Vertrauen und Delegation setzen muss.
**Fazit**
Kleinere, interdisziplinäre und selbstorganisierte Teams sind nachweislich effektiver und tragen maßgeblich zur Entwicklung überzeugenderer Produkte bei. Unternehmen sind gut beraten, ihre traditionellen Strukturen großer Teams kritisch zu hinterfragen. Obwohl die Umstellung eine Herausforderung darstellt, verspricht sie langfristig erhebliche Vorteile für die Produktivität und Innovationskraft.



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