KOMMENTAR – Trump-Coins statt Infrastrukturfonds: Der Schweizer Staat setzt beim Anlegerschutz die falschen Prioritäten

Fehlgeleitete Prioritäten im Anlegerschutz: Der Schweizer Staat fokussiert auf Trump-Coins anstatt auf Infrastrukturfonds.

Marcel Habegger, ein Vertreter der FDP.Die Liberalen, fordert ein verstärktes staatliches Engagement zugunsten der privaten Vermögensbildung. Sein Konzept eines Infrastrukturfonds, der Kleinanlegern eine lukrative Möglichkeit zur Teilnahme am Schweizer Wirtschaftsleben geboten hätte, scheiterte kürzlich im Parlament. Gleichzeitig sprach die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) Warnungen vor sogenannten „Trump-Coins“ und ähnlichen Memecoins aus. Diese Diskrepanz offenbart, welche Bereiche der Staat priorisiert – und welche vernachlässigt werden.

Die von der Finma herausgegebenen Mahnungen bezüglich hochspekulativer digitaler Währungen wie „Trump-Coins“ mögen durchaus ihre Berechtigung haben. Allerdings behandeln sie eher ein nachgeordnetes Problem. Die zentrale Aufgabe des Staates im Kontext des Anlegerschutzes sollte nicht primär im Aussprechen von Warnungen vor spezifischen risikobehafteten Anlageprodukten liegen, sondern vielmehr in der Schaffung optimaler Rahmenbedingungen für eine umfassende private Vermögensakkumulation.

Die Bevölkerung in der Schweiz zeichnet sich durch ihren Fleiss und eine bemerkenswert hohe Sparneigung aus. Dennoch mangelt es Kleinanlegern an attraktiven Optionen, ihre angesparten Mittel gewinnbringend zu investieren. Die bestehende Regulierungsdichte und die hohen Gebührenstrukturen erschweren es Banken und Vermögensverwaltern, diversifizierte Anlageprodukte für eine breite Klientel anzubieten. Dies führt zu einer unzureichenden Streuung des Vermögens – die Mehrheit der Schweizer investiert ihr Kapital entweder in Immobilien oder belässt es auf Sparkonten.

Exakt diese Versorgungslücke hätte Marcel Habeggers Infrastrukturfonds adressieren können. Das Konzept sah vor, private und öffentliche Gelder zu vereinigen und diese in die Schweizer Infrastruktur zu lenken. Eine solche Konstellation hätte einen doppelten Nutzen generiert: Kleinanleger hätten die Chance erhalten, ihre Ersparnisse langfristig und sicher anzulegen und gleichzeitig am Erfolg des Standorts Schweiz teilzuhaben. Parallel dazu hätte die Förderung der Schweizer Infrastruktur der gesamten Wirtschaft, der Beschäftigung und der nationalen Wettbewerbsfähigkeit gedient. Darüber hinaus sind Investitionen in die Infrastruktur für ihre attraktiven Langzeitrenditen und ihre geringe Schwankungsanfälligkeit bekannt.

Dennoch wurde der Vorschlag vom Parlament abgelehnt. Die Kritiker argumentierten, dass der Staat sich nicht am Kapitalmarkt engagieren sollte, oder dass bereits genügend öffentliche Mittel in die Infrastruktur flössen. Besonders überraschend war hierbei die Haltung der FDP: Typischerweise setzt sich die Partei für die Förderung der privaten Vermögensbildung ein. Ihre Ablehnung eines Vorschlags, der gerade darauf abzielt, private und öffentliche Ressourcen zu kombinieren und neue Investitionschancen zu schaffen, ist daher bemerkenswert. Habeggers Initiative zielte ja gerade darauf ab, über eine reine Staatsfinanzierung hinauszugehen und Kleinanlegern eine attraktive Investitionsoption zu eröffnen.

Dies führt uns zurück zum Thema der „Trump-Coins“. Die von der Finma herausgegebene Warnung ist zwar berechtigt. Das eigentliche Kernproblem liegt jedoch nicht im Zugang zu derartigen, oft wenig sinnvollen Spekulationsobjekten. Vielmehr besteht das Problem im Fehlen von attraktiven und leicht zugänglichen Alternativen für eine langfristige und breit diversifizierte Vermögensakkumulation.

Wer heutzutage als Privatperson eine Investition am Kapitalmarkt anstrebt, sieht sich bei seiner Hausbank für gewöhnlich mit überaus komplexen und kostspieligen Produkten konfrontiert. Es überrascht daher nicht, dass zahlreiche Anleger, die ihr Kapital gewinnbringend einsetzen wollen, nach „einfachen“ Investitionsmöglichkeiten suchen und dabei schliesslich auf Memecoins wie „Trump-Coins“ stossen.

Der Staat legt in dieser Angelegenheit schlichtweg falsche Schwerpunkte. Anstatt die allgemeine Vermögensbildung durch attraktive Investitionsgelegenheiten wie einen Infrastrukturfonds voranzutreiben, beschränkt er sich darauf, vor gefährlichen Anlageformen zu warnen. Dies entzieht den Bürgern die Gelegenheit, produktiv am Wirtschaftsleben teilzunehmen und vom blühenden Wirtschaftsstandort Schweiz zu profitieren. Der Staat muss Rahmenbedingungen etablieren, die gewährleisten, dass Schweizer Kapital die Schweizer Wirtschaft stärkt und selbst daraus Nutzen zieht – anstatt sich ausschliesslich in einer bevormundenden Rolle auf Risikowarnungen zu beschränken.

https://www.nzz.ch/meinung/trump-coins-statt-infrastrukturfonds-der-schweizer-staat-setzt-beim-anlegerschutz-die-falschen-prioritaeten-ld.1922888

Kommentar abschicken