Chaos beim Zahlungsdienstleister: Was hinter den Problemen bei Paypal wirklich steckt
PayPal in turbulenten Zeiten: CEO Dan Schulman kündigt seinen Rücktritt an
PayPal, ein global agierender Marktführer im Bereich der Online-Zahlungsdienste, über den täglich Millionen von Nutzern ihre Einkäufe tätigen, Geldbeträge versenden oder empfangen, sieht sich aktuell mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert. Das Unternehmen teilte in der vorherigen Woche mit, dass Dan Schulman, der acht Jahre lang die Geschäftsführung innehatte, von seiner Position als CEO zurücktreten wird. Schulman wird die Führung so lange fortsetzen, bis eine geeignete Nachfolge bestimmt ist, und anschließend dem Verwaltungsrat des Unternehmens angehören.
Der Entschluss Schulmans zum Rücktritt geschieht vor dem Hintergrund eines wachsenden Stresses auf das Unternehmen. Seit der Spitze im Jahr 2021 ist der Marktwert von PayPal erheblich geschrumpft – von etwa 360 Milliarden US-Dollar auf derzeit rund 80 Milliarden US-Dollar. Dieser Wertverlust von etwa 280 Milliarden US-Dollar hat das Anlegervertrauen maßgeblich beeinträchtigt. Parallel dazu wächst der Wettbewerb unaufhörlich. Zahlungsplattformen wie Apple Pay, Google Pay, Revolut, N26 und Klarna stellen vergleichbare oder mitunter intuitivere Dienste bereit und konkurrieren um die Gunst der Anwender.
Als Schulman 2014, im Zuge der Trennung von eBay, die Leitung von PayPal übernahm, fand er ein prosperierendes Geschäftsmodell vor. Unter seiner Ägide verdoppelte sich die Zahl der aktiven Nutzer auf über 430 Millionen, und der Börsenwert des Unternehmens vervielfachte sich in seinen ersten Jahren um das Vierfache. Er forcierte die Ausweitung in neue Geschäftsbereiche, darunter die Kreditvergabe, digitale Währungen und Finanzmanagement-Tools. Des Weiteren wurden in seiner Zeit Übernahmen wie die von Honey und Paidy realisiert. Der geplante Erwerb des sozialen Netzwerks Pinterest scheiterte jedoch am Einspruch der Anteilseigner.
Jedoch rief die forsche Expansionsstrategie auch umstrittene Entscheidungen hervor. Im Herbst 2022 erregte PayPal großen Unmut mit einem Vorhaben, Nutzer, die sich über die Plattform „falsch“ äußerten, mit einer Strafe von 2500 US-Dollar zu belegen. Dieses Ansinnen wurde nach heftiger Kritik zurückgenommen, hatte aber das Vertrauen der Anwender nachhaltig erschüttert. Ebenso verharren die Nutzerzahlen auf einem Plateau: Im letzten Quartal 2022 wurden lediglich 3,5 Millionen neue aktive Accounts verzeichnet – ein Wert unter den Prognosen. Kunden zeigen sich zunehmend sprunghaft und nutzen vermehrt diverse Bezahldienste gleichzeitig. Die Geschäftsergebnisse blieben hinter den Einschätzungen der Analysten zurück.
Schulman wird bis in den September hinein seine Position behalten und sich während dieser Periode auf die Steigerung der operativen Effizienz konzentrieren. Die Fahndung nach einem neuen Geschäftsführer ist bereits im Gange. Für den kommenden CEO wird es von größter Bedeutung sein, das Vertrauen der Kapitalgeber wiederherzustellen und einen prägnanten Zukunftsplan festzulegen. PayPal muss sich von seinen Konkurrenten differenzieren und innovative Methoden entwickeln, um seine Marktposition zu sichern. Eine herausfordernde Mission steht der neuen Führungsfigur bevor.
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/paypal-krise-ceo-rauswurf-li.3381083



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